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Einführung: Warum trägt die Umweltforschung nicht stärker zur Lösung von Umweltproblemen bei? Einführung: Warum trägt die Umweltforschung nicht stärker zur Lösung von Umweltproblemen bei?
| Content Provider | Semantic Scholar |
|---|---|
| Author | Jaeger, Jochen Scheringer, Martin |
| Copyright Year | 2006 |
| Abstract | ie Umweltforschung1 steckt in einer Krise. In vielen Bereichen ist der Beitrag der Umweltforschung zur Lösung von Umweltproblemen geringer, als erwartet wird, und dies schlägt auf die Reputation und die finanzielle und institutionelle Unterstützung der Umweltforschung zurück. Was sind die Gründe für die unzureichende gesellschaftliche Wirkung der Umweltforschung? Die besondere Aufgabe der Umweltforschung, die sie von anderen Wissenschaftszweigen unterscheidet, besteht darin, über äußerst komplexe Systeme innerhalb begrenzter Zeit entscheidungsrelevantes Wissen bereitzustellen. Sie stellt dabei einerseits einen wissenschaftlichen Anspruch (zum Beispiel Grundlagenforschung), und andererseits hat sie einem praktischen Bedarf zu dienen, das heißt, sie soll zur Lösung konkreter Umweltprobleme beitragen. Diese doppelte Aufgabe ist sehr anspruchsvoll, weil die betrachteten Systeme nicht isoliert sind, weil die Zeithorizonte der untersuchten Umweltveränderungen und ihrer Auslöser sehr unterschiedlich sind, weil der Bezug zu außerwissenschaftlichen Entscheidungen hergestellt werden soll und weil die Unterscheidung zwischen Folgen menschlicher Einflüsse und natürlicher Varianz oft schwierig ist. Das Problem, das wir ansprechen, liegt nicht in der Schwierigkeit der Aufgabe – diese ist gegeben –, sondern darin, daß die Umweltforschung auf diese herausfordernde Aufgabe nicht angemessen reagiert. Ohne den besonderen Ansprüchen ihrer Aufgabe Rechnung zu tragen, orientiert sich die Umweltforschung einseitig an den klassischen Leitideen der Naturwissenschaften. Sie geht mit Komplexität und Unsicherheit inadäquat um, und ihr Handlungsbezug ist unzureichend. Sie verkennt damit die Art ihrer Aufgabe. Ein Beispiel verdeutlicht, was wir meinen. Wenn Straßen gebaut werden sollen, müssen Daten zum Einfluß auf die Tierund Pflanzenwelt, das Kleinklima, den Boden, die Wasserverhältnisse, das Landschaftsbild, die Erholungsqualität und die Landnutzung erhoben und die konkreten Auswirkungen der Bauprojekte prognostiziert werden. Im Prinzip ist dies in heutigen Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für einzelne Straßen auch so vorgesehen. Dieses Wissen fehlt allerdings nicht nur in der Praxis der UVP, sondern auch auf wissenschaftlicher Seite; um allein schon die mittelund langfristigen Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen zu erforschen, würde die vollständige Analyse Jahrzehnte erfordern (aufgrund der Vielzahl der Arten; aufgrund einer Vielzahl von sich überlagernden Einflüssen beispielsweise aus Landwirtschaft, Straßenbau und Forstwirtschaft; aufgrund der unterschiedlichen Rolle von Faktoren wie Habitatgröße, Habitatqualität und Zerschneidungsgrad; aufgrund von Summenwirkungen; aufgrund der Erforderlichkeit von Netzbetrachtungen anstatt lediglich der Analyse einzelner Bauprojekte). Um diese Einflüsse zu trennen, wären empirische Daten aus langfristigen Beobachtungen aus vielen Landschaften erforderlich, damit die statistische Auswertung signifikante Ergebnisse liefern kann. Dies läßt sich jedoch in der Praxis der UVP nicht bewältigen, sondern allerD SCHWERPUNKT: UMWELTFORSCHUNG |
| Starting Page | 20 |
| Ending Page | 23 |
| Page Count | 4 |
| File Format | PDF HTM / HTML |
| DOI | 10.14512/gaia.15.1.8 |
| Alternate Webpage(s) | http://web.sust-chem.ethz.ch/scheringer/schwerpunktumweltforschung.pdf |
| Alternate Webpage(s) | http://www.fragmentation.de/English/Publications/publications-Dateien/documents/Jaeger_und_Scheringer_2006_GAIA.pdf |
| Alternate Webpage(s) | https://doi.org/10.14512/gaia.15.1.8 |
| Volume Number | 15 |
| Language | English |
| Access Restriction | Open |
| Content Type | Text |
| Resource Type | Article |