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Staat und Raum: Theoretische Debatten in der Politischen Geographie
| Content Provider | Semantic Scholar |
|---|---|
| Author | Müller, Martin |
| Copyright Year | 2014 |
| Abstract | Kein Zweifel: Der deutschsprachigen Politischen Geographie geht es gut. Noch in den 1990er-Jahren war die Teildisziplin selbst von Geograph_innen kaum beachtet und oft auf die raumliche Konfliktforschung auf regionaler Ebene reduziert. Doch derzeit erfreut sie sich grossen Zuspruchs. Politische Geographin zu sein ist en vogue – auch unter denen, die sich ansonsten Stadtgeographinnen, Kulturgeographinnen oder Wirtschaftsgeographinnen nennen. 2000 erschien Paul Reubers Bestandsaufnahme neuer Stromungen in der Politischen Geographie, vor allem im anglophonen Raum, in der Geographischen Zeitschrift (Reuber, 2000); 2001 der erste Sammelband, der neue theoretische Ansatze dem Rest der Disziplin nahebrachte (Reuber and Wolkersdorfer, 2001). 2012 erfolgte ein zentraler Anstoss zur Bildung eines neuen Kanons der deutschsprachigen Politischen Geographie mit der Veroffentlichung des Lehrbuchs Politische Geographie (Reuber, 2012; siehe die Besprechung in der Geographica Helvetica in Korf, 2013). Es gibt Sommerschulen, regelmassige Arbeitskreistreffen, eine inzwischen mehr als zehn Bande umfassende Buchreihe – und nun also der nachste Schritt, dieses Mal uber die Disziplingrenzen hinweg. „Staat und Raum“ erschien als Band 26 der Reihe „Staatsdiskurse“, einer ansonsten politikwissenschaftlich ausgerichteten Serie. Thomas Hobbes’ Leviathan grusst mit Schwert und Zepter als personalisierte Staatsgewalt vom Umschlag. Die elf Autor_innen der neun Kapitel prasentieren uberwiegend neue theoretische Ansatze der Politischen Geographie im deutschsprachigen Raum – vom Postkolonialismus bis zu Deleuze und Guattaris Gefugen – und ihre Relevanz fur die Erfassung des Verhaltnisses von Staat und Raum. Die Beitrage arbeiten sich jeweils an einem theoretischen Thema ab, illustrieren die Argumentfuhrung aber auch an einigen Beispielen. Dabei muss man der in anderem Zusammenhang gemachten Beobachtung Benedikt Korfs (2013) zustimmen, dass die Mehrzahl der vorgestellten Ansatze stark von der anglophonen Debatte inspiriert ist. Diese Inspiration von anderswo mag auch dem fast vollstandigen Erliegen generisch deutschsprachiger Theoriebildung und Forschung in der Politischen Geographie nach dem Zweiten Weltkrieg zuzuschreiben sein. Dieser historische Hintergrund und die Rolle der Politischen Geographie als apologetische Pseudowissenschaft zur Legitimation von Machtinteressen und Expansionsbestrebungen werden auch in einem Beitrag (HansDietrich Schultz) thematisiert. Er bildet eine unverzichtbare Folie fur den Band, um die speziellen Voraussetzungen und die Grenzen neuerer Theoriebildung zu verstehen. Mehrere Beitrage im Band kreisen in der ein oder anderen Form um Raumkonstruktion durch Sprache. Sie knupfen damit explizit oder implizit an den „cultural turn“ in der Humangeographie an, der die Konstruktion von Bedeutung ins Zentrum des Erkenntnisinteresses ruckt und im deutschsprachigen Raum mit der Neuen Kulturgeographien Einzug hielt. Antje Schlottmann legt in ihrem Kapitel den Schwerpunkt auf Sprachgebrauch und Sprechakte als performative Praxis. Sprache bildet somit nicht Raume und Grenzen ab; sie erschafft sie. Die Autorin knupft mit dieser Annahme theoretisch an die Sozialgeographie alltaglicher Regionalisierungen an. Anders als in den meisten Ansatzen der Diskurstheorie wird dabei das Individuum als intentional handelndes und dadurch raumkonstituierendes Subjekt begriffen. Diese Raumkonstitution trennt in der Regel ein vertrautes, nahes Innen von einem bedrohlichen, fernen Aussen. Diese Dichotomie, so argumentiert Schlottmann, sei konstitutiv fur das Sprechen von Raum. Auch im Beitrag zur kritischen Geopolitik (Paul Reuber) geht es um binare Raumkonstruktion durch Sprache, allerdings auf internationaler Ebene. Die kritische Geopolitik versucht offenzulegen wie durch Sprache und Bilder raumbezogene Ordnungsvorstellungen (re-)produziert werden, die politisch kontingentes Handeln naturalisieren und als unvermeidlich darstellen. Der Ansatz |
| Starting Page | 217 |
| Ending Page | 219 |
| Page Count | 3 |
| File Format | PDF HTM / HTML |
| DOI | 10.5194/gh-69-217-2014 |
| Alternate Webpage(s) | https://www.geogr-helv.net/69/217/2014/gh-69-217-2014.pdf |
| Alternate Webpage(s) | https://doi.org/10.5194/gh-69-217-2014 |
| Volume Number | 69 |
| Language | English |
| Access Restriction | Open |
| Content Type | Text |
| Resource Type | Article |